Texel - Die Vogelinsel

Die holländische Nordseeinsel Texel ist als „Vogelinsel“ bekannt – Grund genug also, diesem Titel mal nachzugehen. So machte ich mich im Juli 2017 kurzerhand für 3 Tage auf den Weg zur Insel und hatte Glück mit viel Sonnenschein, wenig Wind und trotz örtlicher Unkenntnis einer gelungenen Ausbeute an Bildern.

 

Texel ist für eine Nordseeinsel sehr groß und das Verkehrsnetz super ausgebaut. Ich war sehr froh, mit dem Auto gekommen zu sein, denn so großartig die unzähligen Fahrradstrecken auch sind – die Distanzen sind nicht zu verachten und mit dem schweren Kamerarucksack täglich in Summe 30-40 km abzustrampeln… naja, gibt schöneres. Die Hotspots, die ich vorab recherchiert hatte, sind nämlich quer über die Insel verteilt, sodass man durchaus einiges an Strecke machen muss, um alles einmal zu besuchen. Mit dem Auto konnte ich gemütlich von A nach B fahren, je nach Wetter und Laune. Sämtliches Gepäck samt Verpflegung auf dem Rücksitz - immer alles griffbereit und man musste nie lange schleppen.

 

Leuchtturm Texel am Morgen
Goldene Morgensonne an den Dünen vor dem Leuchtturm

Wie immer, wenn man einen Ort zum ersten Mal erkundet, ist man mehr auf gut Glück unterwegs, als dass man gezielt bereits bekannte Stellen ansteuert. Somit hat es allein 2 Tage gedauert, bis ich jede als vogelfotografisch vielversprechende Stelle überhaupt einmal besucht und dort Zeit verbracht hatte. Eine sehr gute Hilfe bietet das dortige Vogelinformationszentrum in De Cocksdorp, das mit sehr guten Karten und netten, fachkundigen Leuten zur Seite steht.

 

Hier nun meine Erfahrungen als Erstbesucher der Insel zu verschiedenen Orten:

 

Früh morgens leisteten mir an der Brackwassersenke Waagejot einige Säbelschnäbler und Austernfischer im ersten Morgenlicht Gesellschaft. Wartet man mit etwas Geduld in der Uferböschung, laufen sie durchaus mal vor der Linse vorbei, während sie nach Nahrung suchen. Großartig, diese Vögel so nahe erleben zu können! Die Sonne braucht hier allerdings morgens ca. eine Stunde, bis sie nach ihrem Aufgang über den Deich gekrochen kommt. Dann ist das Licht aber sehr schön. Die Empfehlung dieses Gebiets kann ich nur bestätigen, ebenso wie das in der Nähe befindliche, ähnlich „gut bestückte“ Gebiet Ottersaat bei Oudeschild.

Säbelschnäbler auf Texel
Säbelschnäbler
Säbelschnäbler im Flug

Bedingt durch die lange, regenlose Zeit und die vielen Bakterien im Wasser färbte sich dieses an einem Tag rot, was selbst in der Lokalpresse für Furore sorgte und mittags Unmengen an Touristen anlockte. Zum Glück war ich dann schon lange weg und hatte meine Bilder im Kasten – Säbelschnäbler beim „Blutbad“ dürften durchaus Seltenheitswert haben.

Säbelschnäbler
Säbelschnäbler Flügelschlag

Der Leuchtturm bietet sowohl morgens als auch abends ein schönes Motiv, direkt zum Turm kann man legal jedoch nach 17.00 Uhr nicht mehr und muss somit etwas weiter weg zum knipsen (oder über die Absperrung hüpfen).

Leuchtturm Texel

Am Aussichtspunkt De Geul im Süden kann man einen See einsehen, wo bei meinem Besuch viele Kormorane und einige Löffler zu sehen waren, jedoch für Nahaufnahmen viel zu weit weg. Spekulieren kann man dort auf Flugaufnahmen, wenn man Geduld mitbringt.

 

Nordwestlich kann man bei De Slufter über die Dünen bis zum Strand durch das Gras und das anschließende Watt wandern. An der Absperrung zum Meer traf ich auf eine Kolonie von Seeschwalben, die reihenweise, nach Nahrung suchend, ins Wasser eintauchten. Selbst mit 600mm noch recht weit weg und aufgrund der schnellen Flugmanöver schwer zu erwischen, auch hier braucht man Geduld und große Speicherkarten (und Schuhe, die Dreck vertragen!).

 

Motive begegnen einem immer wieder auf den Fahrten über die Insel und man muss aufpassen, keine Unfälle zu riskieren, weil man zu sehr den Straßenrand nach Tieren absucht oder mal eine Vollbremsung hinlegt, wenn die Rohrweihe knapp über das Auto zieht.

 

Irgendwo inmitten der Insel traf ich eine unerschrockene Uferschnepfe, die ich ohnehin gehofft hatte, dort endlich mal zu fotografieren. Und sie bot mir eine fantastische Show, flog immer wieder einen Bogen um mich und setzte sich dann wieder auf ihren Misthügel oder lief vor mir über den Gehweg. Alles in kurzer Distanz und somit für mich eine anstrengende Übung körperlicher Koordination, musste ich mit dem langen Objektiv doch ständig die Stellung wechseln und drehte mich mehr im Kreis als ein Zirkusclown. Dennoch ein überaus dankbares Motiv und eine tolle Erfahrung, Auge in Auge mit diesem schönen Tier.

Uferschnepfe
Uferschnepfe
Uferschnepfe

Ebenso unerschrocken zeigten sich einige Steinwälzer, die an der steinigen Ostküste bis auf wenige Meter an mich heran kamen.

 

Steinwälzer auf Texel

Summa summarum war Texel ein Erfolg und man findet dort sicher bei fast jedem Besuch etwas Interessantes. Etwas früher im Jahr, wenn die Balz- und Brutzeit beginnt (April/Mai) wohl noch wahrscheinlicher als, wie ich, im späten Juli. Recht komfortabel ist es dort für den Naturfotografen allerdings, denn man braucht keine Tarnung, sondern kommt auch in „zivil“ recht nahe an die Tiere heran.  Oft sind die Distanzen aber auch recht groß und eignen sich nicht immer für gute Fotos bzw. man braucht etwas Glück, bis das Flattertier mal etwas näher kommt.

Dieser Löffler zum Beispiel saß einsam am Rande eines Sumpfs, während seine Kolonie versteckt in weiter Ferne residiert.

 

Löffler

Und selbst wenn nichts flattert – 30 km Sandstrand laden einen auch mal zwischendurch zum entspannen ein (Schatten gibt es dort aber zumeist keinen). Lediglich bei dauerhaft schlechtem Wetter kann ich eigentlich nur die Heimfahrt empfehlen – was ich nach 3 Tagen dann auch tun musste, obwohl noch ein vierter gebucht war.

 

Wenn du auch mal dort hin willst und noch mehr Infos brauchst, schreib mir gerne und ich helfe, so gut ich kann.

 

Auch hier gilt: Nicht alle Bilder sind auf dieser Seite, auch die Galerien haben ihren Anteil bekommen.