Sylt 2018

Sylt gilt als eines der besten Vogelbeobachtungsgebiete Deutschlands und liegt außerdem in der Nordsee, wo es mich ohnehin immer wieder hinzieht. Außerdem hat es das Potential, meine Affinität zu Leuchttürmen zu befriedigen, da gleich mehrere potentiell sehr fotogene Leuchtfeuer dort zu finden sind. Also quartierte ich mich dort Anfang Mai 2018 für 4 volle Tage ein, um mir dieses Eiland einmal näher anzuschauen und mit der Kamera auf die Jagd zu gehen.

 

Letztes Abendlicht am Ellenbogen auf Sylt
Letztes Abendlicht am Ellenbogen auf Sylt

Zunächst galt es vorab einige logistische Fragen zu eruieren, nämlich:

 

- wie kommt man am besten hin?

 

- wie kommt man vor Ort am besten voran mit meist schwerem Kamera-Gepäck und großem Stativ?

 

- wo am besten wohnen? Nord? Mitte? Süd?

 

- wie kann man auf der Insel der angeblich „Reichen und Schönen“ halbwegs kostengünstig Urlaub machen, ohne in einer Telefonzelle schlafen und trockenes Brot essen zu müssen?

 

- wo sind gute Beobachtungsgebiete?

 

Ich habe alles gut hinbekommen - gehen wir es der Reihe nach einfach einmal durch.

Anreise

Ich habe mich nach reichlicher Überlegung dafür entschieden, mit der Bahn zu fahren und mein eigenes Fahrrad mitzunehmen, was sich als eine sehr gute Lösung herausgestellt hat. Mein Gepäck verstaute ich dabei in zwei Satteltaschen sowie meinem Kamerarucksack und das Stativ kam auf den Gepäckträger. Wenn man die Klamotten gut zusammenstaucht und nicht den halben Kleiderschrank mitnimmt, passt da erstaunlich viel rein und es hat genau gereicht für meinen Kurztrip. Die Zugfahrt dauert zwar bis zu 10 Stunden (ab Mannheim), verlief aber ohne Probleme und jeweils nur mit einem mal umsteigen, also äußerst entspannt. Die Nutzung des Fahrradwagens (unbedingt vorab reservieren!) klappte auch bestens. Hin- und zurück habe ich ab Mannheim ca. 80 € bezahlt.

 

Vorankommen vor Ort

Sylt ist verdammt groß – das ist nun keine bahnbrechende Erkenntnis, aber ich hatte es doch etwas unterschätzt. Zum Glück hatte ich nie den nordsee-typischen Gegenwind, dennoch habe ich ordentlich Kilometer mit meinem Drahtesel gemacht. Die Größe der Insel sorgte auch dafür, dass ich allein zwei Tage für Orientierungsfahrten brauchte, um erst mal überall hinzuradeln und die einzelnen Orte und Areale einmal anzuschauen. Zum Glück kann man sein Rad auch auf die Busse schnallen und dadurch manch weiten Heimweg etwas entspannter gestalten.

 

Hier sollte man jedoch auf die saisonal schwankenden Busfahrzeiten achten, um nicht abends plötzlich 20 km von der Wohnung entfernt zu merken, dass kein Bus mehr fährt und man doch komplett heimradeln muss.

 

Während meiner Tagestouren war mein Kameraequipment in den Satteltaschen, sodass man das Gewicht beim Fahren kaum bemerkte. Den Rucksack hatte ich leer auf dem Rücken und füllte die Sachen eben kurz um, wenn ich zu Fuß auf Entdeckungstour ging. Eine super praktikable Lösung wie ich finde.

Mein bester Freund, der gute alte Drahtesel
Mein bester Freund, der gute alte Drahtesel

Fasan auf Sylt
Fasane gibt es erstaunlich viele und man kommt auch recht nah heran.
Rohrammer
Ein typischer Schilfbewohner: Die Rohrammer

Wohnen

Über die offizielle Buchungsseite der Insel suchte ich mir ein kleines Zimmer in einer Privatpension am südlichen Rand Westerlands für 50 € pro Nacht aus, um recht zentral zu wohnen. Von dort war es zum Rantumbecken, einem vielversprechenden Naturschutzgebiet, nicht weit. Ganz in den Norden der Insel zum Ellenbogen – wie ich finde der mit Abstand schönste und ursprünglichste Teil der Insel - waren es dann aber doch ca. 22 km einfache Wegstrecke.

 

Würde ich nochmals hinfahren, würde ich glaube ich ein paar Tage in List und dann ein paar Tage in Westerland oder Rantum wohnen und die Reise damit in einen Nord- und Süd-Teil splitten.

 

Beobachtungsgebiete und fotografische Ergebnisse

Dadurch, dass die fotografisch verheißungsvollen Gebiete, die ich anhand des herausragenden und überaus detaillierten Buches „Vögel beobachten in Norddeutschland“ (Amazon-Link) recherchiert hatte, recht weitläufig sind, ist es nicht so wie auf Helgoland, wo man in recht kurzer Zeit fast immer Motive findet. Ich hatte Glück mit dem Wetter und stets Sonnenschein mit wenigen Wolken. Die sehr frühen und späten Abendstunden mit dem besten Licht nutzte ich zum fotografieren und die (doch recht lange) Zeit dazwischen zum entspannen, lesen und auch mal zum Schlaf nachholen.

 

Jeden Morgen um 5:00 Uhr klingelte mein Wecker und ich radelte etwa 5 Minuten zum Rantumbecken, auf dessen Deichen ich spazierte oder durch die südlich angrenzenden Feuchtwiesen streunte und auf etwas gefiederten Zuspruch hoffte. Leider kam mir in den ersten drei Tagen nahezu nichts vor die Nase, was nahe genug war, um ansprechende Bilder zu machen. Am letzten Tag jedoch ging es Schlag auf Schlag und ich machte binnen 3 Stunden alle vorzeigbaren Tierbilder der gesamten Reise. Hier muss man sich eben in Geduld üben und erkennen, dass die Atmosphäre am frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht und noch kein Mensch unterwegs ist, auch bei keiner fotografischen Ausbeute den „Schmerz“ des frühen Aufstehens bei weitem kompensiert! Und nach 3 Stunden Natur, Ruhe und Fotografieren zurück zu kommen und das Frühstück vorzufinden – gibt schlimmeres, oder?

Uferschnepfe
Jahre hatte ich dieses Bild im Kopf - am letzten Morgen wurde es endlich auf die Speicherkarte gebannt! Die Uferschnepfe auf ihrem Ausguck.
Feldlerche
Feldlerche
Kiebitz
Kiebitz

Abends wandte ich mich dann eher den Leuchttürmen zu, zunächst List im Norden, dann Hörnum im Süden. Gerade der Leuchtturm List-Ost am Ellenbogen ist einfach ungemein fotogen und die schier endlosen Dünen mit nur einer Handvoll Häusern in dieser Gegend sind einfach herrlich. Sein einige 100m weiter stehender westlicher Kollege passt sich auch sehr schön in die ursprüngliche Dünenlandschaft ein, ist jedoch nicht ganz so klassisch rot-weiß gestreift wie sein östliches Pendant.

 

Man kommt zwar auch mit dem Auto dorthin, kann die Landschaft aber mit dem Fahrrad wesentlich mehr genießen. Und dort oben roch es dann endlich mal auch nach Meer! Das hatte ich in den anderen Teilen der Insel vermisst. Dort zu verweilen lohnt sich definitiv sehr!

 

 

 

Der südliche Leuchtturm in Hörnum ist auch sehr fotogen, dieser Ort war jedoch der einzige, den ich ohne vorherige Orientierungsfahrt aufsuchte und mich daher zeitlich etwas verschätzte, da ich die Wege und guten Fotospots noch nicht ausgekundschaftet hatte. Dennoch ist ein recht ansehnliches Bild noch entstanden.

 

Leuchtturm Hörnum Sylt
Der südliche Leuchtturm in Hörnum

Leuchtturm List-Ost auf Sylt
Wer riecht das Meer bei diesem Anblick?

Angesichts der kurzen Zeit auf der Insel und der Tatsache, dass man einen unbekannten Ort ja auch erst mal erkunden muss, habe ich keine weiteren Gebiete intensiver erforscht. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass man bei erstmaliger Erkundung eines Ortes zunächst ohne Kamera losziehen und sich einen Überblick verschaffen sollte. Ich hoffe, ich konnte einem künftigen Sylt-Urlauber ein paar Tipps mitgeben und freue mich natürlich auch über Anregungen und Meinungen von all denen, die schon mal dort waren und ihre Erfahrungen teilen möchten.

Leuchtturm und Strand Hörnum Sylt