Helgoland Winter 2017 - Robbenjagd

Zum vierten Mal binnen zwei Jahren besuche ich diese Insel, die mich irgendwie nicht mehr los lässt. Wenn im Winter die Touristenströme zum Erliegen kommen, es schon um 16:00 Uhr dunkel und das Wetter ungemütlicher wird - was will man dann dort? Kleine, süße, flauschige Robbenbabys! Denn Ende November - zu dieser Zeit war ich dort - beginnt die Wurfsaison der Kegelrobben auf der Düne und bietet die wohl weltweit einmalige Gelegenheit, dieses Schauspiel hautnah zu verfolgen.

Kegelrobben-Baby

An den Stränden der kleinen Düne herrscht bereits zu Beginn der Wurfsaison Hochbetrieb und es kommen täglich (!) im Schnitt 20 Jungtiere neu dazu. Diese liegen, oft weit weg von der Mutter, quer über den Strand verstreut meist regungslos in der Hoffnung auf ein bisschen Sonne. Natürlich will man den Tieren nicht auf die Pelle rücken und ist bemüht, die vorgeschriebenen 30m Abstand einzuhalten. Aufgrund der Vielzahl an Robben ist das aber kaum möglich, denn kaum ist man 30m von der einen entfernt, steht man schon fast der nächsten auf den Flossen. Unter diesen Voraussetzungen ist es teilweise eine knifflige Aufgabe, überhaupt an das andere Ende des Strandes zu gelangen.

Das Wetter spielt leider nicht so gut mit und obwohl ich in weiser Voraussicht extra 5 volle Tage gebucht habe, konnte ich glatte 3 davon wegen Dauerregen absolut nichts machen, als in meinem Appartment abzugammeln. Lediglich eineinhalb Tage gab es keinen Regen und sogar ein paar Stunden Sonne - in diesem kurzen Zeitfenster musste ich dann Vollgas geben, um noch zu ein paar Bildern zu kommen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn:

 

- man braucht einen Platz, wo man sich hinsetzen kann, ohne die Robben, die in allen Himmelsrichtungen um einen herum liegen, zu stören und ohne Gefahr zu laufen, von einem heranrobbenden Bullen angepöbelt zu werden

- man braucht ein bestenfalls alleine liegendes Jungtier vor einem passenden Hintergrund

- das Wetter und das Licht muss mitspielen UND

- das Kleine muss auch noch in die Kamera schauen und idealerweise Faxen machen.

 

Man merkt schnell, dass trotz der Fülle an Tieren und deren erstaunlicher Toleranz gegenüber dem Menschen dieses Unterfangen nicht so leicht von der Hand geht als gedacht. Dennoch ein tolles Erlebnis, nahezu alleine unter Robben zu sitzen und die Kleinen bei ihren ersten Atemzügen zu beobachten!


Seehundbaby

Einige wenige Fotografen habe ich noch getroffen, sonst waren aber kaum Touristen auf der Insel und man war alleine in der Natur. Neben den Robben waren natürlich auch einige Seevögel unterwegs und sowohl die Sanderlinge als auch die Sandregenpfeifer kamen erstaunlich nahe an mich heran, wenn ich mich nur etwas geduldig an den Strand setzte.


Die Robben konnte ich mit meiner Vollformat-Kamera und 400mm problemlos ablichten, während für die kleinen und flinken Vögel jeder Millimeter Brennweite Gold wert ist und somit musste das Rohr auf die vollen 600mm ausgefahren und auf die APS-C-Kamera geschraubt werden für maximale Reichweite (960mm). Da ich sehr nahe am Boden fotografierte und dabei oft auf dem Bauch im nassen Sand lag, sah zum einen die Kleidung danach aus wie Sau und zum anderen zog oft ein kleiner "Sandsturm" in Bodennähe durch, aufgrund dessen ich manchmal die Kamera anheben musste, damit sie nicht von ihrem größten Feind - dem Sandkorn - geplagt wird.

 

Für die maximale Bodennähe hatte ich mir aus einem zweckentfremdeten Aschenbecher ein Bodenstativ gebaut, wodurch die Kamera nur etwa 20 cm über dem Boden schwebte und so selbst mit den kleinen Strandvögeln Augenhöhe hergestellt werden konnte.

Sandig und durchnässt - wie kriege ich das nur wieder raus?
Sandig und durchnässt - wie kriege ich das nur wieder raus?
Hier entsteht das erste Bild in diesem Bericht. Suche das Robbenbaby...
Hier entsteht das erste Bild in diesem Bericht. Suche das Robbenbaby...

Helgoland ist also definitiv auch in der kalten Jahreszeit eine Reise wert und selbst die Hauptinsel hat, auch bei Wolken und Sturm, noch immer Charme. So gelang mir auch geradezu beiläufig ein tolles Bild der Stimmung am Nordstrand - ein einsamer Besucher inklusive. Unverhofft kommt eben oft und vielmals sind es die spontanen und ungeplanten Bilder, die später hervorstechen.

Finanziell gesehen habe ich hier von den günstigen Preisen der Nebensaison profitiert und ein Selbstversorger-Apartment (im "Bli Hüs" - Empfehlung!) mit super Ausstattung (Bett, Sofa, Küche, TV, WLAN, großes Bad) für lässige 30€ pro Tag ergattert. Wenn man dann auch noch die langen, dunklen Morgen- und Abendstunden nutzt, um ein bisschen was zu kochen, lässt sich auch eine solche Reise recht preiswert gestalten, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

 

Ich hatte auf diesem Trip auch das Vergnügen, die Bekanntschaft von Andreas Hütten zu machen, einem sehr talentierten Naturfotografen. Es lohnt ein Blick auf seine Homepage!

 

Ein besonderer Dank geht an Janine Brauneis für ihre Gastfreundschaft vor und nach der Inselzeit - auch ihre Bilder sind klickenswert!

Rotschenkel am Strand