Fischland-Darß-Zingst

Wenig Leben, gespenstische Stille

Leuchtturm am Darßer Ort
Der Leuchtturm am Darßer Ort

In der Hoffnung, den Vogelzug in vollem Gange zu erwischen (vor allem die Kraniche) und vielleicht auch einen Seeadler zu knipsen, machte ich mich Anfang April 2017 für 3 Tage auf den sehr langen Weg von Mannheim auf die Ostsee-Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

 

Bis ich im dortigen Dörfchen Prerow, wo meine Unterkunft sein sollte, angekommen war, hatte ich 12 Stunden Zug- und Busfahrt hinter mir - ohne Verspätungen. Hinter Berlin scheint die Welt zu enden und man fährt nur noch mit der Bummelbahn durch endlose Weiten und kaum besiedeltes Land bis hin zur Ostseeküste. Dort war zu dieser Jahreszeit noch nichts los, alle Strandkörbe verwaist und die meisten Lokale noch geschlossen. Bis auf ein paar Rentner begegneten mir nur wenige Menschen und meine äußerst günstige Pension (35 € pro Nacht für ein geräumiges Zimmer mit Frühstück) bescherte mir ein ideales Basecamp für die kommenden Tage.

 

Prerow selbst ist ein kleines Dorf, das zwar vom Tourimus lebt, aber noch nicht mit riesigen Betonklötzen zugepflastert wurde. Die größeren Hotels stehen schon eher im bekannteren Nachbarort Zingst, wo ich zwar nur kurz zu Besuch war, jedoch zu behaupten wage, dass Prerow die beschaulichere und urigere Location darstellt, um ein paar Tage auf dem Darß zu wohnen. Alles ist fußläufig oder mit dem Rad gut erreichbar und Fisch essen lässt es sich dort auch bestens. (Geheimtipp: Das Darßer Pils - ein leckeres Bier, das einzig im Prerower Brauhaus direkt im Speisesaal gebraut und kesselfrisch gereicht wird.)

Mit Kamerarucksack und Leihfahrrad bewaffnet machte ich mich also auf, die Gegend um Prerow zu erkunden und nach Motiven Ausschau zu halten. Gerade auf tierischer Seite wurde ich jedoch während meines gesamten Aufenthaltes enttäuscht und es zeigte sich kaum ein Vögelchen. Vielleicht lag es daran, dass gerade wenig Durchzügler anwesend waren, wohl eher aber daran, dass diese sich eher in der Kernzone des Nationalparks tummeln, in welche man selbst mit langer Brennweite kaum Einsicht bekommt.

Auch die erhofften Schwärme der Kraniche blieben aus und bis auf einige Vögel in weiter Ferne war auch hier nichts los auf den Wiesen zwischen Wieck, Born und Zingst.

 


Und dafür dann den weiten Weg? Nun, die Natur ist eben kein Zoo und man hat nicht immer Glück. Für die Kraniche wäre wohl der Herbst besser gewesen, da sie dann längere Zeit als im Frühjahr auf dem Darß zwischenlanden. Für sonstige Tierfotos bedarf es vielleicht einer besseren Ortskenntnis oder mehreren Besuchen und ein bisschen Glück.

 

Der urige Darßwald, der dafür berühmt ist, dass er direkt bis ans Meer wächst, hat seinen ganz eigenen Charme und ist durchaus einen Spaziergang wert. Auf dem Weg durch den Wald in Richtung des Darßer Weststrandes kommt man an einigen erhöhten Beobachtungsplattformen vorbei, von wo aus man vielleicht etwas erhaschen kann. So konnte ich mit dem Fernglas eine Gruppe Rothirsche erkennen, die in der Boddenlandschaft graste - ein nur hier vorfindbares Phänomen: Hirsche am Strand. Selbst einige Seeadler zeigten sich, allerdings in so großer Entfernung, dass sie selbst mit dem Fernglas nur als kleine Punkte auszumachen waren. Dennoch: Ich habe welche in freier Wildbahn gesehen, wenn auch keine Fotos gemacht. Auf dem gesamten Weg durch den Wald herrschte eine Stille, wie ich sie noch nie vernommen habe. Man hörte absolut nichts und beim kleinsten Knacken eines Astes erschrak ich schon fast. Obwohl keine Menschenseele vor Ort ist, fühlt man sich fast schon beobachtet.

Sonnenuntergang an der Ostsee
Letzte Sonnenstrahlen am Prerower Nordstrand

Das Fahrrad war ein gutes Fortbewegungsmittel in dem doch recht überschaubaren Areal und brachte mich auch abends an den menschenleeren Strand, wo sich die Sonne verabschiedete und eine tolle Stimmung erschuf. Somit konnte ich, wenn auch keine Tiere, immerhin die Landschaften dieser geruhsamen Gegend ein bisschen einfangen.

 

Insgesamt war es nicht der ergiebigste Trip in fotografischer Hinsicht, aber definitiv eine entschleunigende Zeit in einer sehr ruhigen und naturbelassenen Gegend. Womöglich sind andere Jahreszeiten besser zum knipsen geeignet - da muss man eben nochmal hinfahren und sein Glück versuchen. Finanziell gesehen kam ich übrigens sehr gut weg und musste für den gesamten Ausflug nicht mehr als 350€ berappen - wenn man keinen Luxus braucht, lässt es sich selbst in Deutschland erstaunlich günstig reisen (3 Übernachtungen mit Frühstück + Bahnfahrt + 3 Tage Leihfahrrad + tägliches Abendessen im Lokal + geringe sonstige Ausgaben).

 

Für ein erstes Auskundschaften waren die 3 Tage sicherlich ausreichend, doch ich denke, es kann sich durchaus lohnen, etwas länger dort zu verweilen. Anfang April schläft die Ostseeküste auf dem Darß noch - somit ein Tip für alle, die sich nach Ruhe und Einsamkeit sehnen (nehmt euch ein paar Bücher für die Zugfahrt mit!).

 

Wer weitergehende Infos und Tips sucht für die eigene Reiseplanung, kann mir gerne schreiben (siehe Fußzeile) und ich helfe, so gut ich kann.

Darßer Weststrand
Pause am Weststrand
Darßer Weststrand
Einer der vom Wind gepeitschten Strandbäume