Borkum Juni 2019

Nach Helgoland, Sylt und Texel kommt mit Borkum die vierte Nordseeinsel in meine fotografische Sammlung. Anfang Juni 2019 verbrachte ich hier eine ganze Woche und hatte viel Zeit, die Insel zu erkunden auf der Suche nach tierischen Motiven. In diesem Bericht gibt es wie gewohnt einige meiner Erfahrungen und Tipps zu lesen.

Großer Brachvogel auf Borkum

Borkum erreicht man mit der Fähre ab Emden in zwei Stunden und die Insel ist „semi-autofrei“. D.h. man kann sein Auto auf der Fähre mitnehmen und damit bis zur Unterkunft fahren sowie in ausgewiesenen Zonen auch darüber hinaus am Straßenverkehr teilnehmen. Wesentlich besser eignet sich jedoch das Fahrrad, mit dem ich das bewährte "sylter Konzept" wieder umgesetzt habe (Gepäckträgertasche gefüllt mit schwerem Fotoequipment und Fotorucksack leer auf dem Rücken für optimale Gewichtsverteilung). Oft ging der Wecker bereits um 4:20 Uhr, damit ich pünktlich zum Sonnenaufgang um 5:00 Uhr am Deich sein konnte.

 

Dort trifft man dann die ersten zwei Stunden des Tages keine Menschenseele , kann das Konzert der Seevögel genießen und im besten Licht auf die Pirsch gehen. Bei meiner morgendlichen Route rund um den Tüskendörrsee und dessen angrenzende Wiesen ist einiges los und man konnte viele gute Bilder machen. Dennoch sind die Distanzen recht groß und bis zum Seeufer kommt man aufgrund der weitläufigen Umzäunung gar nicht heran. Jede Menge Austernfischer, Gänse, Kiebitze, Rauchschwalben und einige kleinere Singvögel tummeln sich dort jedoch fast permanent. Man braucht etwas Glück und auch Geduld, denn nicht immer kommen sie nah genug heran, dass man auch gute Bilder bekommt.

 

Frühnebel Borkum
Rauchschwalbe

Morgenstimmung auf Borkum
Feldlerche

Ein besonders tolles Erlebnis hatte ich mit einem Großen Brachvogel, der seiner Wiese über einige Tage treu blieb und mir somit mehrere Versuche gestattete, ihn abzulichten. Einmal kam er bis auf ca. 15 m an mich heran und ermöglichte mir, während ich flach im nassen Gras lag, das erhoffte, formatfüllende Foto aus tiefer Perspektive.

Brachvogel

Durch die nördlichen Dünen auf den (Rad-)Wegen zu patrouillieren eröffnet viele Chancen auf kleinere Singvögel, die jedoch oft schneller wieder weg sind, als man die Kamera zücken kann.

 

Das Watt ist zwar vom Deich aus gut einsehbar, jedoch sind die Distanzen sehr groß und es eignet sich kaum zum fotografieren. Entlang der Strecke vom Fährhafen in die Stadt gibt es auch einige interessante Ausblicke und eine recht neue Beobachtungshütte, von der aus man mit etwas Glück Flugaufnahmen der Rohrweihe hinbekommt.

 

Ich wusste, dass auf Borkum dem Grunde nach Sumpfohreulen zu finden sein können, hatte aber wenig Aussicht auf Erfolg, diese scheuen und seltenen Vögel zu sehen. Sie gehören nämlich schon lange zu meinen Wunschmotiven. Dann, als ich am letzten Abend durch die Salzwiesen im Ostland wanderte, wo es irgendwann nicht mal mehr Radwege gibt, flog plötzlich ein gutes Stück weit weg eine aus der Böschung und zog kurz ein paar Kreise, ehe sie wieder verschwand. Wie vom Blitz getroffen riss ich meine Kamera hoch und ballerte drauf los – daher leider viele unscharfe Bilder. Dennoch konnte ich einige Flugaufnahmen machen und war hellauf begeistert, dieses tolle Erlebnis noch mitnehmen zu können.

Sumpfohreule
Sumpfohreule

Summa summarum bietet Borkum gute fotografische Möglichkeiten, jedoch selten in naher Distanz. Einen bestimmten Hotspot habe ich nicht ausfindig machen können, wo man garantiert etwas erwischt, aber mit etwas Glück wird man fündig. Landschaftlich ist es allerdings aus fotografischer Hinsicht äußerst langweilig und unspektakulär meines Erachtens, zumal die dortigen Leuchttürme an fotografisch unpassenden Stellen platziert sind.

 

Kostenpunkt ca. 500 € (6 Übernachtungen, Fähre, Leihfahrrad, Spritkosten der Hin- und Rückfahrt, Verpflegung).

 

Etwas ausführlicher berichte ich in der entsprechenden Podcastfolge über meine Zeit auf Borkum – wenn du den Podcast noch nicht kennst, dann abonniere ihn kostenfrei auf deiner bevorzugten Plattform!